15.-25.01.2024
Nach vielen Vorbereitungen und erwartungsvoll stiegen wir am 15. Januar in unseren Flieger nach Indien. Wir waren eine Gruppe von 13 Personen aus den unterschiedlichsten Gemeinden in Deutschland und trafen uns aufgrund der verschiedenen Flüge erst im Zielflughafen Shiliguri. Bereits bei dem Hinflug standen wir vor der ersten Herausforderung, die uns etwas Sorge bereitete: ausgerechnet bei unserem Reiseleiter Alex Gruslak wurde der erste Flug von Stuttgart annulliert. Wir fühlten uns zuerst etwas aufgeschmissen, doch vertrauten darauf, dass Gott unsere gute Absicht sah und unsere Reise segnen würde. Tatsächlich konnte Alex nach vielen Telefonaten und Nachfragen schon am nächsten Tag ebenfalls in Indien antreffen, sodass es im Endeffekt nur ein kleiner Umstand, aber kein Hindernis war. Nach insgesamt drei Flügen und einer Bustaxifahrt kamen wir direkt im Blindenheim in Cooch Behar an.
Das Blindenheim beherbergt zurzeit insgesamt 77 Kinder im Alter von sechs bis 21 Jahren, die blind sind oder an anderen Krankheiten leiden, die das Augenlicht stark beeinträchtigen. Die meisten Kinder befinden sich nicht in diesem Heim, weil sie keine Eltern haben, sondern weil sie hier Bildung vermittelt bekommen und auch gleichzeitig zur Schule gehen. Gerade in so einem Land wie Indien ist es für blinde Kinder nahezu unmöglich eine erfolgreiche und glückliche Zukunft zu haben. Besonders heranwachsende Frauen, die auch noch blind zugleich sind, haben kaum Perspektiven und werden aufgrund ihrer Hilfslosigkeit und Naivität oft missbraucht oder sogar grausam getötet um Organhandel zu betreiben.
Aus diesem Grund versucht man natürlich mit allen Mitteln genau das zu verhindern und auch ihnen eine schönere Zukunft zu ermöglichen.
Diese Menschen brauchen gar keine große Aufgabe, es reicht ihnen auch wenn sie eine Kleinigkeit aufgetragen bekommen und sich dadurch nützlich und gebraucht fühlen.
Um die Kosten der Schulbildung zu decken, gibt es Patenschaften mit deutschen Spendern aus unserer Bruderschaft, die mit einer monatlichen Rate unterstützen. Das wichtigste Ziel, dass die Mitarbeiter und Gründer des Blindenheims aber verfolgt haben und verfolgen ist, dass in den heranwachsenden Kindern auch gleichzeitig der gute Same, das lebendige Wort Gottes, gestreut wird. Dieses stellt gerade in so einem hinduistisch geprägten Land eine große Herausforderung dar, denn das Christentum hat in Indien einen sehr niedrigen Stellenwert, da nur 1% der Bevölkerung Christen sind, die zurzeit auch besonders im Süden des Landes verfolgt werden. Selbst wenn wir uns mit den Kindern unterhalten haben, konnte man feststellen, dass sie diese hinduistische und abergläubische Prägung von zuhause bekommen. Viele von Ihnen können sich mit dem Gedanken anfreunden, dass es Jesus gibt, aber sie glauben noch an weitere Götter und können sich nicht vorstellen, dass es nur einen wahren Gott gib.
Es war für uns alle sehr interessant den Alltag der blinden Kinder zu verfolgen und selbst zu sehen, wie sie sich trotz ihrer Blindheit sicher bewegen und zurechtfinden konnten. Da sie mit dem Sehorgan gar nichts oder kaum etwas wahrnehmen können, spielt bei ihnen das Hörorgan eine sehr wichtige Rolle. Oft können Sie sogar an den Schritten im Gras erkennen, wer auf sie zukommt.
Die Blindenschule ist auch in einzelne Klassen und die Räumlichkeiten nach Schulfächern aufgeteilt, die wir besichtigen durften. Die Klassen bestehen meistens aus durchschnittlich 8-10 Kindern und werden nach dem Leistungsstand der Kinder erstellt.
An einem Tag wurden wir zu einer Sportveranstaltung eingeladen, die wir auf so einer Art noch nicht erleben durften und durften selbst einmal die Rolle eines Blinden spielen. Unsere Augen wurden uns verbunden und wir konnten uns nur mit unserem Gehör helfen und das war schwieriger als gedacht.
An einem anderen Abend haben wir mit den Kindern zusammengebastelt und gebacken, was ihnen und uns sehr viel Freude bereitet hat.
Gemeinsam mit allen Kindern aus dem Blindenheim haben wir auch Gottesdienste durchgeführt, bei denen die Kinder für uns sogar Lieder zum Vortrag vorbereitet haben. Auch wir dienten mit Liedern in englischer, deutscher und russischer Sprache und übten einige Lieder sogar mit den Kindern ein.
Neben unserem Aufenthalt und unserer Arbeit im Blindenheim besuchten wir auch einige Gemeinden, bei denen wir immer herzlich aufgenommen wurden. So sehr unsere Sprachen sich auch voneinander unterschieden haben, wussten wir doch, dass wir alle Kinder eines Vaters sind und das verband uns. Wir bekamen immer wieder die Möglichkeit mit Liedern, Predigten und Zeugnissen zu dienen und lauschten auch gerne ihren Liedern in ihrer einheimischen Sprache. Einer Gemeinde überreichten wir als Geschenk ein Mischpult, bei anderen ließen wir eine Geldspende da um diese Gemeinden finanziell zu unterstützen. Auch kleine Aufmerksamkeiten, Kleidung, Spielzeuge und Süßigkeiten durften wir hier and die Gemeindemitglieder und Kinder verteilen. Mit großer Dankbarkeit nahmen sie unsere Geschenke und Spenden an und dankten auch Gott dafür, dass er uns dafür gebrauchte ein Segen zu sein.
Die letzten Tage unserer Missionsreise rundeten wir mit einer Delhi-Stadtbesichtigung und eine Fahrt nach Agra zu eines der sieben Weltwunder, dem Taj Mahal, ab. Worauf wir uns am meisten nach unserer Reise wieder gefreut haben, war unter anderem das deutsche Essen, da die Inder eine besondere Vorliebe für sehr scharfes Essen haben und oft nicht verstehen konnte, dass wir Europäer so „ungewürzte“ Speisen genießen können.
Der Abschied, besonders von den Kindern im Blindenheim fiel uns allen schwer, weil wir nach den paar Tagen viele Freundschaften geknüpft haben und auch das eine oder andere Kind fest ins Herz geschlossen haben. Wir bereiteten für sie kleine Abschiedsgeschenke vor, über die sie sich sehr gefreut haben.
Auf unserer Reise begleitete und morgens und abends immer eine Andacht und ein gemeinsames Gebet, wo wir Gott um seinen Segen bei unserem Vorhaben baten und für die vergangene Zeit dankten. Es erfüllte uns mit Freunde, wenn wir sahen, dass ein Mensch durch unsere Worte oder unseren Gesang berührt wurde oder wir merkten, mit wie viel Liebe und Herzlichkeit uns diese Menschen entgegentraten. Wir haben oft verglichen, wie sich unser Alltag, unser Land, unsere Rechte von denen der Inder unterscheidet und mussten oft feststellen, dass wir so selten dafür danken, obwohl wir es uns durch kein Stück eher verdient haben als die Menschen in Indien.
Janine Sonnenberg







